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Alles zum Thema Wissenschaft und Forschung.

THEMA: negative Geschwindigkeit - schneller als da Licht

negative Geschwindigkeit - schneller als da Licht 24 Apr 2002 22:56 #19


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© Klaus Simmering

Reporter Klaus Simmering:
Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Wochen diese Melodie gehört
hatte. Unglaublich oft. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Mozarts
40.Symphonie in g - Moll. Doch es lag nicht an der Musik.
Die Kassette selbst war ein Beweisstück. Der Beweis dafür, daß geht, was
doch nach Einstein - dem bedeutendsten Physiker unserer Zeit - als unmöglich
gilt:
Schneller zu sein als das Licht !
Der Traum: Reisen zu fernen Galaxien. Raketen, Raumschiffe - millionenfach
schneller als alles, was es heute gibt. Überlichtgeschwidigkeit wie im
Science Fiction.
Der sehnsüchtige Blick in die Sterne. Der Wunsch, sich das Universum nicht
nur als stiller Beobachter zu erschließen, sondern selbst dort hinzureisen.
Aber alles ist so weit weg !
In kosmischen Dimensionen ist selbst das Licht mit seiner Geschwindigkeit von
300.000 km/s lahm. Selbst mit Lichtgeschwindigkeit dauert eine Reise zu
fremden Galaxien Milliarden von Jahren.
Unerreichbar fern! Wenn wir auf die Lichtgeschwindigkeit angewiesen sind, dann
kommen wir nicht weit. Der Kosmos - verschlossen durch eine unsichtbare, aber
unüberwindliche Grenze, die uns für immer in unserem kleinen Teil des
Universums gefangen hält.
Selbst wenn wir nur über Radiowellen mit fremden Wesen auf anderen Sternen in
Kontakt treten wollten - Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar Jahrmillionen würden
vergehen, bis unsere Botschaften dort empfangen werden könnten.
Und noch einmal so lange müßten wir auf eine Antwort warten. Bei
Lichtgeschwindigkeit !
Doch die Lichtgeschwindigkeit ist das ultimative Tempolimit, die absolute
Grenze. Nichts, aber auch gar nichts kann schneller sein. Das - so hatte ich
es gelernt - sagte der wohl berühmteste Physiker unserer Zeit: Albert
Einstein.
Doch andererseits: Ich hatte da diese Kassette.....Der Beweis dafür, daß
meine Science Fiction Träume doch einmal wahr werden könnten?
Angefangen hat alles in Deutschland, in Köln, an der Universität, im
2.physikalischen Institut, bei Prof. Günter Nimtz, einem experimentellen
Physiker, der behauptet, die Lichtgeschwindigkeit überschritten zu haben.
Nicht im Weltraum, sondern in solchen Rohrstücken, die aussehen, als hätte
der Klempner sie hier vergessen. Keine Raketenmotoren, keine geheimnisvollen
Lichtblitze. Es ist völlig unspektakulär. Was Prof. Nimtz mir hier zeigt,
sind Hohlleiter - Leitungen für Radiowellen von besonders hoher Frequenz:
Mikrowellen, wie beim Mikrowellenherd oder beim Satellitenfernsehen. Absolut
nichts ungewöhnliches.
Das einzige besondere: Das gelbe Stück in der Mitte dieses Rohrs. home.webschool.ch/Homepage/nimtz1.jpg

Prof. Günter Nimtz, Universität Köln:
Und wenn Sie jetzt hier durchschauen, dann sehen Sie diese
Barriere, die Querschnittsverengung. Wirklich nur ein Rohr. In der Mitte, auf dem gelben Stück, mit einem
kleineren Durchmesser. Kein Trick. Doch in dem mittleren Stück, das Prof.
Nimtz den Tunnel nennt, geschehen obskure Dinge:
Die Mikrowellen, die er da durchschickt, werden auf den schmalen 8cm schneller
als das Licht.
Vor laufender Kamera wiederholt das Wissenschaftlerteam Prof. Nimtz und Dr.
Enders das entscheidende Experiment.
Am Anfang steht eine Zeitmessung. Zum Vergleich ohne das enge Tunnelstück.
Die Mikrowellen gehen ungehindert durch den Hohlleiter. Äußerste Präzision.
Meßgeräte an ihrer physikalisch Grenze. Hier geht es nicht wie beim Sport um
Hundertstel Sekunden, sonder um Billionstel - den millionsten Teil einer
Sekunde. Das Ergebnis wird abgespeichert.
home.webschool.ch//Homepage/tunnel1.jpg
Und jetzt kommt der ominöse Tunnel ins Spiel. Prof. Nimtz erklärt mir das
so: Mikrowellen brauchen einen genügend dicken Hohlleiter, damit sie
hindurchkönnen. Auch wenn man durchgucken kann - nicht jede Welle paßt durch
jeden Querschnitt. Für die Wellen, die er verwendet, ist das schmale
Hohlleiterstück eigentlich zu eng. Nur wenn sie sich verwandeln - eben
tunneln - dann gelangen sie an das andere Ende.

Prof. Günter Nimtz:
Wir verlängern diese Strecke um 8 cm und messen dann, wie lange
hat diese Signal gebraucht, um die 8 cm Tunnelstrecke zu überqueren.

Das Signal muß enorm verstärkt werden, denn hinter dem Tunnel kommt auch
noch etwas an. Die beiden Kurven zeigen den Signalverlauf mit und ohne
Tunnelstrecke. Wieviel Zeit ist vergangen, während die Mikrowellen die 8 cm
lange Strecke durchtunnelt haben? Die Kurven liegen dicht beieinander. Das
Signal muß schnell gewesen sein im Tunnel. Sehr schnell !
home.webschool.ch//Homepage/nimtz2.jpg

Prof. Günter Nimtz:
Das sind 266 Picosekunden und die Tunnelstrecke hat 133
Picosekunden, d.h. die Gruppe ist 2 c, die Gruppe, das Paket ist also mit
2-facher Lichtgeschwindigkeit durch diese Tunnelstrecke marschiert.
Was für so viel Aufregung sorgt, sehen sie mittlerweile gelassen, die beiden
Experimentatoren - und sie haben ihren Spaß dabei, noch eins draufzusetzen:

Musik - also Informationen - wollen sie mit Überlichtgeschwindigkeit durch
den Tunnel schicken: Mozarts 40.Shymphonie.
home.webschool.ch/Homepage/cd.jpg

Die Musik von der CD soll sozusagen Huckepack von den Mikrowellen mitgenommen
werden, nicht anders als beim UKW-Radio - aber mit Überlichtgeschwindigkeit.
Das Experiment soll beweisen, daß beim überlichtschnellen Tunnel nicht nur Müll
am anderen Ende ankommt, wie bisher gedacht, sondern daß auf diesem Wege
Informationen übertragen werden können. Doch noch sieht es nicht danach aus.
So unscheinbar das kleine Stück Rohr aussieht, es gibt Rätsel auf. Was genau
darin passiert - niemand weiß das hundertprozentig.
Schon lange, seit den 50er Jahren, gibt es Berechnungen, die überlichtschnelle
Geschwindigkeit vorausgesagt haben. Weil das aber Einstein zu widersprechen
schien, wurden sie so lange verändert, bis schließlich doch höchstens
Lichtgeschwindigkeit dabei herauskam. Fällt jetzt das Idol ?

Es klappt ! Für Prof. Nimtz beweist dies: Das Tunneln von Informationen mit
Überlichtgeschwindigkeit ist möglich. In weiteren Messungen mit längeren
Tunnelstrecken sogar nicht nur mit doppelter, sondern mit 4,7-facher
Lichtgeschwindigkeit.
Doch das tollste ist : Prof. Nimtz sieht damit Einsteins Relativitätstheorie
gar nicht als widerlegt an.

Prof. Günter Nimtz:
Das ist ja gerade das Aufregende. Wir behaupten nicht, daß die
Relativitätstheorie da jetzt zu Fall gebracht wird. Keineswegs, die hat
nach wie vor, zumindest für die normalen Bereiche ihre Gültigkeit. Normal
nenne ich, wo Wellenausbreitung stattfindet. Aber es kann sein, daß das
Tunneln sich akausal verhält. Daß sie also nicht sagen können und unsere
Experimente haben das so gezeigt, daß wir nicht wissen, ob am Eingang oder
am Ausgang das Signal zuerst ist, weil es eben im Tunnelbereich keine Zeit
benötigt. Und das ist ja der Grund, warum es schneller sich durch den
Tunnel bewegt als die Lichtgeschwindigkeit.

Gut, ich halte fest: Schneller als das Licht, aber nicht im Widerspruch zu
Einstein, weil der sich mit dem Tunneln gar nicht beschäftigt hat.
Ich fahre nach Jülich. Dort steht das COSY, das Cooler Synchroton, eine
riesige Anlage, in der mit so viel Energie, wie eine ganze Stadt verbraucht,
atomare Teilchen auf 98% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Mehr
geht nicht. Auch mit der doppelten und dreifachen Energie würde man kaum
weiter kommen. Hier treffe ich Prof. Eilenberger, der auf die Veröffentlichungen
von Prof. Nimtz direkt geantwortet hat und bezweifelt, daß in Köln tatsächlich
Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen wurden.
Reporter:
Nun hat Prof. Nimtz ja Informationen übertragen, Mozarts 40.
Symphonie kann man ja als Information bezeichnen. home.webschool.ch//Homepage/eilen.jpg
Prof. Gert Eilenberger, Forschungszentrum Jülich:
In der Tat kann man das als Information bezeichnen, es ist
Information. Aber auch da muß man sich sehr genau ansehen, was er
eigentlich gemacht hat, denn es geht ja nicht darum, daß er behauptet,
Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen zu haben, sondern er
hat dieses Experiment mit bestimmten Wellen gemacht, eben
elektromagnetischen Wellen, die im Grunde genommen etwa seit 130 Jahren
verstanden sind durch den großen englischen Physiker Maxwell, der eben die
Maxwell'schen Gleichungen für die elektromagnetische Ausbreitung entdeckt
hat.
Und diese Gleichungen, die das beschreiben, sind sehr gut verstanden, und
es ist auch verstanden, daß diese Ausbreitung nicht schneller als mit
Lichtgeschwindigkeit erfolgen kann, d.h. wenn Herr Nimtz behauptet, er habe
Überlichtgeschwindigkeit in der Signalausbreitung nachgewiesen, dann
bestreitet er nicht nur die Richtigkeit der Einstein'schen Grundaussagen,
sondern er würde sogar die Richtigkeit der Maxwell'schen Gleichungen
bestreiten, auf denen außerordentlich viel beruht.
Die gesamte Elektrotechnik beruht darauf, das Funktionieren von Sendern,
Radaranlagen, Röntgenanlagen, all dieses beruht auf der Maxwell'schen
Theorie.
Reporter:
Was wäre, wenn er recht hätte ?

Prof. Gert Eilenberger:
Die Frage kann man in der Allgemeinheit nicht beantworten, was die
Konsequenzen für die Physik betrifft. Man kann natürlich sagen, wenn er
wirklich recht hätte, dann wäre ihm der Nobelpreis sicher.

Reporter:
Sie glauben aber nicht, daß es so weit kommt ?

Prof. Gert Eilenberger:
Nein

Ich muß zugeben: Ich bin verwirrt. Ist sich die Physik nicht einig? Keiner
bestreitet die Messungen in Köln. Aber die Interpretation ?
home.webschool.ch/Homepage/vortrag.jpg

Auf einer Tagung in Bielefeld hoffe ich Klarheit zu finden.
300 hochkarätige Wissenschaftler aus aller Welt sind hier versammelt. Eines
der wichtigsten Themen ist die Interpretation von Messungen. Schließlich
bestimmt die Methode, was dabei herauskommt. Es geht um Grundsätzliches. Auch
Philosophen sind dabei. Seit langer Zeit ungewöhnlich für eine
Physikertagung. Die Positionen gehen weit auseinander. Ein heftiger Streit.
Ebenfalls ungewöhnlich für eine Physikertagung.
Auch um die Überlichtgeschwindigkeit geht es hier.

Frage an Prof. Dürr, Mathematiker aus München, der die Veranstaltung
organisiert hat.
Ich habe hier eine Kassette, da ist Mozarts 40. Symphonie drauf,
die ist getunnelt worden mit 4,7-facher Lichtgeschwindigkeit. Geht das

home.webschool.ch/Homepage/duerr.jpg

Prof. Detlef Dürr, Universität München:
Nein das geht nicht. Diese Symphonie von Mozart ist Information,
außer Frage. Man kann Information aber nicht mit Überlichtgeschwindigkeit senden.

Reporter:
Aber Prof. Nimtz sagt, daß er das getan hat.

Prof. Detlef Dürr:
Das liegt daran, daß er nicht weiß, was er wirklich getan hat.
Er hat keine Informationen mit Überlichtgeschwindigkeit gesendet, ganz
sicher nicht, das widerspräche der relativistischen Raum-Zeit.
Schon seit längeren Zeit war ich über elektronische Post mit einem
erfolgreichen jungen deutschen theoretischen Physiker in Kontakt, der auf der
anderen Seite der Erde arbeitete - in Australien. Ich nutzte die Gelegenheit
ihn zu treffen, als er einige Tage an der Universität in Mainz war. Sollte er
den Widerspruch lösen können?
Dr. Kreimer kannte die Experimente von Prof. Nimtz genau. Auch er, erzählt er
mir, war zunächst äußerst skeptisch. Aber dann fand sich für ihn ein
theoretischer Lösungsansatz, wie die Musik schneller als das Licht durch den
Tunnel kommen kann.
Eine wissenschaftliche Arbeit, die ebenfalls in Köln entstanden war.

Prof. Dirk Kreimer, Theoretischer Physiker:
Das war der Thorsten Ehmig von der Uni Köln, der hat sich im
wesentlichen Gedanken gemacht über das Tunneln von Gauss'schen
Wellenpaketen. Wir sind sehr vertraut damit, daß in einem Wellenzug alle möglichen
Komponenten drin sind, Vorläuferwellen, allermöglicher Müll sozusagen,
das geht rein, das wird bei diesem Tunneln sozusagen zerstört.
Da gibt es Dinge, die breiten sich instantan (sofort) aus; das sind aber
keine Informationsträger, das ist irgendein Müll, der geht sozusagen da
schnell durch, der interessiert uns aber nicht weiter, das ist sozusagen
Rauschen, das ist kein Signal.
Wenn diese Rechnung stimmt, dann zeigt sich aber, daß dieser Müll sich
sozusagen verschwört, um das Signal, das am Anfang rein geht, doch zu einem
Maße zu reproduzieren, daß ich es wiedererkennen kann am anderen Ende der
Tunnelstrecke, d.h. dieser Müll ist plötzlich diese Musik, die hier
durchkommt.
Das ist erstaunlich und diese Rechnungen hier sind nur ein Anfang in dem
Sinne, daß sie nur mit einem vereinfachten Modell arbeiten und erst mal nur
ein bestimmtes Signal untersuchen, was mathematisch eine sehr einfache Form
hat, so daß es von der Rechnung her zugänglich ist.
Und trotzdem verblüfft dieses Ergebnis schon.

Noch immer gab es Zweifel. Zu heftig waren die Widersprüche. Ich suchte nach
einer weitere Bestätigung, die die Verwirrung vielleicht auflösen könnte.
Ich war auf der Fahrt nach Wien. Dort erwartete mich nämlich ein weiteres
Experiment. Es geht tief hinunter in die Keller der technischen Universität.
Hier hat die Abteilung für Quantenelektronik und Lasertechnik ihre Labors.
Prof. Krausz, selbst erst 33 Jahre alt, leitet ein junges Wissenschaftler -
Team, das sich mit sehr kurzen Laserimpulsen beschäftigt.
Als er von den überlichtschnellen Phänomen hörte, war für ihn klar, daß
dies ein ideales Anwendungsgebiet für das Herzstück seiner Entwicklungarbeit
ist: Einem Laser, der die kürzesten Lichtimpulse der Welt aussenden kann. Die
würde er durch einen Tunnel schicken. Weil die Impulse so kurz sind, würde
dabei eine äußerst genaue Zeitmessung möglich sein.
Der Tunnel sieht ganz anders aus als der in Köln. Schließlich ist es eine
Barriere für Laserstrahlen und nicht für Mikrowellen. Für Laserstrahlen -
wie für jedes Licht, ist ein Spiegel eine solche Barriere. Er reflektiert.
Trotzdem tunnelt hier ein gewisser Anteil des Lichtes durch den Spiegel durch.
Genau darum geht es. Wie schnell wird das Licht, wenn es durch diesen Tunnel
geht ?
Der Strahlengang wird mit Nebel aus flüssigem Stickstoff überprüft. Er ist
kompliziert, denn der Strahl, der durch den Spiegel-Tunnel geht, wird
verglichen mit einem Strahl, der durch die Luft geht.
<p>Nach einigen Stunden präzisester Einstellarbeiten steht das Ergebnis fest.
In Wien wird die Messung von Überlichtgeschwindigkeit voll bestätigt.

Prof. Ferenc Krausz, Technische Universität Wien:
Was wir hier beobachten können ist eine deutliche zeitliche
Verschiebung des einen Signals gegenüber dem anderen, und aus diesem
Zeitunterschied können wir die Zeit errechnen, die unser Lichtimpuls in der
Tunnelstrecke verbringt.

Reporter:
Und welche Geschwindigkeit haben Sie daraus errechnet?

Prof. Ferenc Krausz:
In etwa die 3-fache Lichtgeschwindigkeit.
Genauso wie zuvor in Köln zeigt sich auch in Wien: So lang auch der Tunnel
ist, die Zeit, die der Strahl braucht, um ihn zu durcheilen, bleibt immer
gleich: Null.
Im Tunnel vergeht keine Zeit.

Prof. Ferenc Krausz:
Man könnte wenigstens ein Gedankenexperiment durchführen, indem
man die Tunnelstrecke unendlich ausdehnen würde und gleich der Ausdehnung
des Universums machen würde. Daraus würde sich dann das Resultat ergeben,
daß diese unendlich lang ausgedehnte Tunnelstrecke quasi instantan (sofort)
durch die Lichtimpulse überwunden wird.
Allerdings dafür müßte man natürlich einen sehr sehr hohen Preis
zahlen, und zwar, was wir am Ende der Tunnelstrecke rausbekommen wäre ein
praktisch unmeßbar kleines Signal.

Von hier nach dort in Null Sekunden. Bestechend. Aber die quasi illegale
Geschwindigkeit muß bezahlt werden. Bestechungsgelder sozusagen.
Alle wissenschaftlichen Arbeiten dazu kommt zu diesem Ergebnis. Sehr schnell
nimmt mit längerer Tunnelstrecke das Signal ab. Nur ein Bruchteil kommt an.
Ich war froh, im Flugzeug zu sitzen, statt instantan durch einen Tunnel zu
eilen. Ich war auf dem Weg nach Berkeley in den USA, nicht weit von San
Francisco. Auch dort beschäftigt man sich mit dem Tunnel von Licht und kommt
zu überlichtschnellen Ergebnissen.
Eine weitere Bestätigung für die Messung in Köln. Und noch mehr, wie sich
später herausstellen sollte.
Ich treffe dort Prof. Raymond Chiao, einen Chinesen, der schon seit den 60er
Jahren in Berkeley ist. Eine Universität, die Nobelpreisträger wie am Fließband
produziert. Der Ansporn ist hoch: Mit dem Nobelpreis bekommt man einen
kostenlosen Parkplatz auf dem Unigelände.
Prof. Chiao, scheint mir, ist auf dem besten Weg dorthin.
Prof. Chiao und sein Team tunneln mit einzelnen Photonen, den kleinsten
Teilchen, aus denen das Licht besteht. Das muß in absoluter Dunkelheit
passieren - schon das bißchen Licht für unsere Kamera ist eigentlich zuviel.
Quelle für die schwächsten Lichtteilchen, die es überhaupt gibt ist ein
Laser. Prof. Chiao ist ein Schüler des Erfinders der Lasertechnik, ein
Nobelpreisträger, der sein Büro gleich nebenan hatte.
In dem Tunnel - ein hauchdünner Spiegel - erreichen die Photonen fast
zweifache Lichtgeschwindigkeit - ohne, wie auch Prof. Chiao ausdrücklich
betont, Einsteins Gesetz zu verletzen.
Was sich durch diese Scheibe bewegt, sind eben keine Wellen. Und nur damit hat
sich Einstein beschäftigt.
Von Informationen ist bei Prof. Chiao allerdings keine Rede. Da es absolut zufällig
ist, wann eines der Lichtteilchen durch die Barriere dringt - und wann nicht -
sind damit keine Informationen zu übertragen. In Berkeley verfolgt man eine
andere Richtung: Hin zu immer höheren Geschwindigkeiten - so hoch, daß einem
dabei schwindelig werden kann.

Reporter:
Vor zwei Jahren dachten wir noch, nichts könnte schneller
als das Licht sein - oder besser: Wir haben nichts beobachten können, das
schneller als das Licht ist. Jetzt geht es um zweifache
Lichtgeschwindigkeit.
Wie schnell kann es noch werden ?

Prof. Raymond Chiao, University of California, Berkeley:
Jetzt glauben wir, es kann unendlich schnell sein, oder sogar
negativ. Gruppengeschwindigkeiten mit denen wir hier in Berkeley arbeiten,
in einem speziellen Medium - ich sollte betonen das ist theoretisch und
nicht im Experiment - dort können wir Impulse mit unendlicher
Geschwindigkeit beobachten, oder sogar mit negativen Geschwindigkeit.

Reporter:
Was bedeutet das - negative Geschwindigkeiten ?

Prof. Raymond Chiao:
Negative Geschwindigkeit, das heißt, bevor die Spitze eines
Impulses den Eingang des Mediums erreicht, hat sie schon den Ausgang am
anderen Ende verlassen. Als wenn der herauskommende Impuls vor der Zeit wüßte,
daß am Eingang etwas ankommen würde.

Reporter:
Heißt das, die Zeit geht rückwärts ?

Prof. Raymond Chiao:
Nun, das heißt es geht ein Impuls zurück in dem Medium und löscht
den ursprünglichen Impuls aus. Und zwar genau so - es ist wie eine
Vorahnung daß er kommen wird - so daß der herausgehende Impuls eine
perfekte Reproduktion des ursprünglichen Impulses ist. Nur daß er schon
vorher herauskommt.
Das ist ein sehr merkwürdiger Effekt. Aber das geht aus der
Standard-Theorie von Maxwell und der Quantenmechanik hervor.
Wir werden hier in Berkeley ein Experiment aufbauen, um diesen äußerst
merkwürdigen Effekt zu demonstrieren.

Wir konnten es noch nicht sehen, denn Prof. Chiao's Experiment ist noch nicht
fertig. Aber in dieser Zelle soll es passieren. Geschwindigkeiten schneller
als unendlich. Der Puls kommt eher an als sofort. Eine Vorahnung.
Nichts mystisches, sondern pure Physik. Prof. Chiao ist sicher, daß das
Experiment gelingen wird. denn in der Theorie, sagt er, ist längst alles
klar.


Prof. Raymond Chiao:
Im Prinzip hätte man das alles schon nach der Erfindung des
Lasers durch meinen alten Lehrer, Prof. Charles Townes und andere, berechnen
können. Nachdem man das Prinzip des Lasers verstanden hatte, hätte man all
diese Berechnungen machen können, schon damals in den 60er Jahren. Aber aus
bestimmten Gründen blieb das lange unentdeckt, vielleicht wegen unseres
Vorurteils, daß nichts schneller als das Licht sei könne. Das hat uns
blind gemacht gegenüber diesen Möglichkeiten.
Deshalb ist es so wichtig, diese Experimente zu machen, um zu zeigen daß
es wirklich geht:
Doppelt so schnell wie das Licht, vierfach, unendlich schneller, sogar
negative Geschwindigkeiten, die schneller als das Licht sind.

Später am Abend konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob sich außer
Licht und Mikrowellen nicht auch Materie mit Masse und Gewicht mit Überlichtgeschwindigkeit
bewegen kann.

Auch nach allem, was ich bisher gesehen hatte - die Antwort war für mich
absolut überraschend.

Prof. Raymond Chiao
Teleportation ist wirklich möglich in der Quantenmechanick,
für mikroskopische Teilchen wie Photonen oder Elektronen, vielleicht eines
Tages sogar für Atome. Aber derzeit ist es praktisch unmöglich für große
Dinge, wie zum Beispiel Menschen...wie in dieser Fernsehserie Star Trek, wo
Leute an einer Stelle verschwinden und woanders wieder auftauchen.
Makroskopische Dinge haben eine sehr große Masse. Für alle praktischen
Anwendungen ist das unmöglich. Beim Tunneln: Niemals wird ein Mensch durch
eine Wand auf die andere Seite tunneln.

Reporter
Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering...

Prof. Raymond Chiao
Aber nicht Null.

Reporter
Nicht Null !

Prof. Raymond Chiao:
Nein, aber extrem gering.

Ich werde wohl nie wieder durch einen Tunnel fahren können, ohne zu grübeln.
Zu viele Fragen hängen daran. Selbst die nach dem Leben, dem Universum und
dem ganzen Rest. Auch wenn es nur im Mikrokosmos funktioniert: Gleichzeitig am
Anfang und am Ende - ohne Zeitverlust.
Das läßt Platz für Spekulationen: Geraten nicht Ursache und Wirkung
durcheinander, wenn nicht das eine auf das andere folgt ?
Regiert hier der Zufall ?
Ist der Tunnel akausal, wie der Physiker das nennt ?

Prof. Günter Nimtz:
Ich weiß beim besten Willen im Moment nicht, ob Tunneln kausal
oder akausal ist. Ich weiß nur, daß im Moment keine endgültige Theorie
vorliegt, die die Kausalität des Tunnel-Prozesses bestätigt.
Auf der anderen Seite ist es eine hochbrisante Frage philosophischer
Natur - Entstehung des Weltalls.
Es wird hier behauptet, daß der Kosmos durch den Urknall entstanden sei,
hinter dem ein Tunnel-Prozeß liegt, also die Welt ist entstanden durch
einen Tunnel-Prozeß von dem einen Zustand in unseren Zustand.
Und jetzt stellt sich die Frage: Hat die Welt einen Grund - ist sie
kausal oder ist sie rein zufällig entstanden - ist sie akausal ?

Ein befremdlicher Blick auf die Welt. Aber war das nicht immer so, wenn Neues
entdeckt wird ?
Die Reise an die Grenzen der Physik ist ein Abenteuer, das mehr Fragen als
Antworten liefert. Das einzige sichere ist:
So wird es bleiben.
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

negative Geschwindigkeit - schneller als da Licht 28 Mär 2014 15:26 #120


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"Gregi meint: <br>
So wie wir heute die Eingeschränktheit der Weltanschauungen vergangener Jahrhunderte (Erde ist flach, Sonne kreist um die Erde, etc.) zu erkennen vermögen und belächeln, so werden unsere Nachfahren eines Tages die heutigen neuesten Erkenntnisse (aus unserer Sicht oftmals als ultimative Realitäten empfunden) als beschränkt erkennen - und belächeln. <br>
Wenn wir uns nicht vorher selber vernichten...) "
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